Neue Therapien für Melanom-Kranke: wirksam, aber keine Schnäppchen

Für Melanom-Patienten stehen seit kurzem zwei neue orale Präparate mit unterschiedlichen Wirkmechanismen zur Verfügung. Das eine ist Yervoy (Ipilimumab) von Bristol-Myers Squibb, das im Juli in der EU zugelassen wurde. Das andere Präparat, Vemurafenib (Zelboraf) von Roche und Daiichi Sankyo, ist diese Woche von der FDA zugelassen worden. In Europa ist die Prüfung der zuständigen Behörden noch nicht beendet. Aktuelle Daten zu beiden Präparaten wurden vor wenigen Wochen beim Kongress der US-Gesellschaft für klinische Onkologie in Chicago vorgestellt. Die relevanten Studien zu beiden Präparaten sind im Sommer vergangenen Jahres im „New England Journal of Medicine“ erschienen.

Mit dem Immuntherapeutikum Yervoy wurde in der publizierten Phase-III-Studie das 1- und 2-Jahres-Überleben von 25 Prozent auf 46 Prozent bzw. von 14 Prozent auf 24 Prozent gesteigert. Im Mittel verlängerte das Präparat die Überlebenszeit um zwei Monate. Erwartet wurden allerdings vier Monate, so dass das Ergebnis als eher enttäuschend gilt. Einige wenige Patienten haben mit dem BMS-Präparat jedoch mehrere Jahre überlebt. Es gibt aber keine Möglichkeit, herauszufinden, welche Patienten so gut ansprechen und welche nicht. publiziert. Der humanisierte monoklonale Antikörper wirkt indirekt auf den Tumor, indem er das Immunsystem stimuliert und dessen Fähigkeit stärkt, Krebszellen zu erkennen und zu vernichten.

In der relevanten Roche-Studie wurden 675 bislang unbehandelte und nicht mehr operable Patienten mit metastasiertem Melanom behandelt, die eine bestimmte Mutation aufwiesen (BRAF V600E Mutation). Diese Mutation kommt bei rund 60 Prozent aller Melanom-Patienten vor. Vemurafenib wurde ebenso wie das BMS-Präparat mit Dacarbazine verglichen. Beurteilt wurde unter anderem die Häufigkeit einer Tumor-Progression. Nach im Mittel dreimonatiger Therapie war die Inzidenz in der Vemurafenib-Gruppe um 74 Prozent niedriger als in der Vergleichs-Gruppe. Das mediane Progressions-freie Überleben betrug unter Zelboraf 5,3 Monate, unter dem Vergleichsmedikament 1,6 Monate.

Bei fast der Hälfte der Patienten mit dem Roche-Präparat sank die Tumor-Größe; in der Vergleichs-Gruppe war dies nur bei knapp sechs Prozent der Patienten der Fall. Nach sechs Monaten lebten in der Vemurafenib-Gruppe noch 84 Prozent der Patienten, von den Patienten mit Dacarbazine waren es noch 64 Prozent. Laut FDA leben derzeit noch 77 Prozent der Melanom-Patienten unter Zelboraf, in der Vergleichsgruppe sind es noch knapp zwei Drittel. Da die Wirksamkeit des Roche-Präparats so überzeugend erschien, empfahlen die Studien-Autoren, es auch den Patienten in der Dacarbazine-Gruppe zu geben.

Die Punktmutation muss durch einen von der FDA zugelassenen Test nachgewiesen werden, und zwar durch den von Roche entwickelten Begleittest cobas 4800 BRAF V600. Vemurafenib ist das erste und einzige von der FDA zugelassene, so genannte personalisierte Medikament, das nachweislich das Überleben bei Patienten mit BRAF-V600E-Mutation-positivem metastasierendem Melanom verlängert. Vemurafenib hemmt einige mutierte Formen des BRAF-Proteins, das bei etwa der Hälfte der Melanom-Kranken nachweisbar ist.

Aber Zelboraf ist natürlich nicht perfekt. Die meisten Tumore entwickeln gegen B-RAF-Hemmer wie Zelboraf innerhalb von sechs bis acht Monaten eine Resistenz. Die Wissenschaftler hoffen, durch Kombination von Zelboraf und Yervoy dieses Problem zu mindern. Roche und BMS planen eine klinische Studie, um die Wirksamkeit der Kombinationstherapie zu prüfen. 26 Prozent der Patienten mit Zelboraf entwickelten laut FDA andere, weniger aggressive Hauttumoren. Häufige Nebenwirkungen waren auch Hautrötungen, Gelenkschmerzen und Müdigkeit. Der Test auf die Punktmutation soll einen Preis von etwa 120 bis 150 US-Dollar haben. Eine sechsmonatige Therapie kostet 56 400 Dollar. Die Therapie mit dem BMS-Präparat kostet rund 120 000 US-Dollar.

 

Informationen der FDA zu Zelboraf

 


 

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