24 Monate Plättchenhemmer nach Stent: Mehr Schaden als Nutzen

Eine zweijährige duale plättchenhemmende Therapie nach Stent-Implantation beugt ischämischen Komplikationen nicht besser vor als eine auf sechs Monate begrenzte Therapie, führt jedoch zu doppelt so vielen schweren Blutungen. Ergeben hat dies die PRODIGY-Studie, die heute auf dem europäischen Kardiologen-Kongress in Paris vorgestellt worden ist.

Laut Dr. Marco Valgimigli (Universität von Ferrara), der die Ergebnisse präsentiert hat, stellt sich daher die Frage, ob die Leitlinien-Empfehlung einer mindestens 12-monatigen dualen Therapie berechtigt ist. Die Studie zeige klar, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer Langzeit-Therapie zu positiv gesehen worden sei.

Valgimigli und seine Kollegen haben Daten von 2013 Patienten (74 Prozent mit akuten Koronarsyndromen, 26 Prozent mit stabiler Angina pectoris) ausgewertet, die nach einer Stent-Implantation entweder sechs oder 24 Monate Clopidogrel plus ASS erhielten. Primärer Endpunkt nach zwei Jahren war die Kombination aus Gesamtsterberate, nicht-tödliche Herzinfarkte oder Schlaganfall. Die Auswertung ergab laut Valgimigli beim primären Endpunkt mit 10,0 und 10,1 Prozent keinen Unterschied zwischen den Vergleichsgruppen. Auch bei den einzelnen Parametern des kombinierten Endpunktes zeigten sich keine statistisch signifikanten Differenzen.

Große Unterschiede gab es allerdings bei den Blutungs-Raten. In der Gruppe mit 24-monatiger plättchenhemmender Therapie betrug die Rate 1,6 Prozent, in der Vergleichsgruppe dagegen nur 0,6 Prozent. Bluttransfusionen waren dementsprechend bei Patienten mit der zweijährigen Therapie deutlich häufiger erforderlich (2,6 versus 1,3 Prozent).

Nach Aussage des italienischen Kardiologen bestätigt die PRODIGY-Studie zwei frühere Studien, die ähnliche Ergebnisse geliefert hätten. Eine der beiden Studien (Akronym: „REAL-LATE“) wurde jedoch wegen methodischer Mängel erheblich kritisiert. Die PRODIGY-Studie sei sicher aussagekräftiger als die beiden früheren Studien, meinte dazu der US-Kardiologe Dr. Magnus Ohman („Duke Clinical Research Institute“ in Durham).  Aber um endgültig die Frage zu beantworten, ob eine Langzeit-Therapie mehr nutze als schade, seien größere Studien erforderlich. Ergebnisse dazu laufender Studien wird es allerdings nicht vor 2013 geben. Ohman selbst hält eine 12-monatige Therapie derzeit für gesichert, eine längere Behandlung jedoch sei „fraglich“.

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