Rationale Therapie-Wahl: Mehr Infos helfen Patienten weiter, aber…

Trotz oder auch wegen der Fülle an Informationen zu medizinischen Untersuchungen und Therapien: Für viele Patienten ist es schwer, gemeinsam mit ihrem Arzt zu entscheiden, welche Behandlung sie bevorzugen sollten. Welche Informationen sind sinnvoll, welche notwendig usw.? Die US-Kollegen Dr. Lisa M. Schwartz und Dr. Steven Woloshin haben daher mehrere Optionen geprüft und die Ergebnisse gerade in den „Archives of Internal Medicine“  veröffentlicht.

2944 erwachsenen Studienteilnehmern wurden vor die Wahl zwischen zwei Lipidsenkern gestellt. Beide Präparate hätten das gleiche Verträglichkeitsprofil, aber der Lipidsenker X habe einen klinischen Nutzen, er schütze vor Herzinfarkten. Der Lipidsenker Y senke das Cholesterin. Die Probanden wurden dann in drei Gruppen aufgeteilt. Mitglieder der Gruppe A bekamen nur die oben genannten Informationen zur Wirkung auf einen klinisch relevanten Parameter und einen Surrogat-Parameter. In der zweiten Gruppe (B) wurde außerdem darüber informiert, dass es unklar sei, ob Präparat Y einen klinischen Nutzen habe. Die Mitglieder der Gruppe C wurden zusätzlich aufgefordert, ihren Arzt nach einem Lipidsenker zu fragen, von dem belegt sei, dass er vor Infarkten schützt. Daraufhin wurden die Probanden der drei Gruppen gefragt, welches Präparat sie bevorzugen.

Ergebnis: Von der Gruppe A (Wirkung auf klinischen Endpunkt und Surrogat-Parameter) entschieden sich 59 Prozent für den Lipidsenker X, der vor Infarkten schützt. Von den beiden anderen Gruppen (Gruppe B: plus Hinweis auf den unklaren klinischen Nutzen von Präparat Y; Gruppe C: plus Aufforderung, nach einem Lipidsenker mit belegtem Nutzen zu fragen) entschieden sich 71 Prozent für das Präparat X. Bestätigt wurde dieses Resultat durch ein zweites „Szenario“. Hier ging es um ein die Alternative „neues Präparat ohne Langzeit-Daten versus älteres Präparat mit Langzeit-Daten“. Bei diesem Szenario entschieden sich von den Probanden der beiden Gruppen mit Zusatzinformationen mehr für das ältere Präparat (53 versus 34 Prozent).  Zusätzliche Informationen über den klinischen Nutzen und Hinweise auf fehlende Belege verbessern, so die Schlussfolgerung der Autoren, die Entscheidungen von Patienten und damit die Therapie. Das ist allerdings nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite: In der vorliegenden Studie verhielten sich trotz der Zusatzinformationen rund 30 bis 50 Prozent der Probanden „unvernünftig“: Sie entschieden sich für das Präparat mit fehlenden klinischen Nutzen-Beleg und für das neue Medikament ohne Langzeit-Daten. Zusätzliche Informationen und warnende Hinweise sind zwar schon hilfreich, aber sie genügen möglicherweise nicht. Was also tun? Noch mehr Informationen, Patienten-Schulungen etc.?

 

 

 

 

 

 

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