Herzchirurgen beklagen: zu oft Stents statt Bypass

Erst in der vergangenen Woche hatte der aktuelle Herzbericht es dokumentiert: Koronarstenosen werden zunehmend mit Stents behandelt. Im vergangenen Jahr gab es bereits knapp 326 000 Stent-Implantationen, rund fünf Prozent mehr als 2009. Koronare Bypass-Operationen gab es 2010 hingegen nur knapp 56 000.

Dieser Trend zur vermeintlich schonenderen Stent-Implantation habe langfristig „erhebliche Nachteile“ für die Patienten, meldet nun die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie. Begründet wird diese Aussage mit den 4-Jahres-Ergebnissen der weltweit größten Vergleichs-Studie zu den beiden Behandlungsformen. Die Studie wurde in der vergangenen Woche auf dem jährlichen Kongress der europäischen Herzchirurgen in Lissabon vom Studienleiter, dem niederländischen Kardiologen Professor Patrick Serruys, erstmals vorgestellt. Danach sollten Patienten mit mittleren und schweren Koronarerkrankungen einen Bypass einem Stent vorziehen, da die Operation „die klar bessere Alternative“ sei.
Die Ergebnisse der internationalen Studie „Synergie between PCI with taxus and Cardiac Surgery“ (Syntax) mit rund 1.800 Patienten belegten, dass die Bypass-Operation den DE-Stents hinsichtlich Sterblichkeit, Häufigkeit eines nachfolgenden Herzinfarkts und Notwendigkeit eines wiederholten Eingriffs überlegen sei. Während vier Jahre nach dem Eingriff mehr als 91 Prozent der Bypass-Patienten leben, sind es bei den Patienten mit Stents rund 88 Prozent. Nach Stent-Implantationen sind außerdem doppelt so oft erneute Eingriffe notwendig (23,9 versus 11,9 Prozent). Darüber hinaus ist die Rate der Herzinfarkte nach Stent-Implantation deutlich höher (8,3 versus 3,8 Prozent).

„Auf die Zahlen des Herzberichtes übertragen heißt dies, dass in Deutschland zum Nachteil der Patienten zu häufig die Entscheidung für einen Stent statt für die Bypass-Operation getroffen wird“, kommentiert Professor Friedrich Wilhelm Mohr, Präsident der „Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie“ (DGTHG), die Studienergebnisse. „Bei differenzierter Bewertung der vorliegenden Studienerkenntnisse finden sich für Patienten mit wenig komplexer Verengung der Herzkranzgefäße vergleichbare Ergebnisse für die die Bypass-Operation und die Stent-Implantation, so dass beide Verfahren hierfür geeignet sind. Dagegen ist für Patienten mit komplexen Erkrankungsformen wie Stenosen aller Herzkranzgefäße die Todesfallrate vier Jahre nach Stent-Implantation dreimal so hoch wie die nach Bypass-Op. Die aktuellen Ergebnisse der Syntax-Studie bekräftigen damit eindrucksvoll die Festlegungen der `Nationalen Versorgungsleitlinie chronische KHK´, die gemeinsam mit den Fachgesellschaften von Herzchirurgen und Kardiologen bereits im Jahr 2006 herausgegeben wurde.“

 

 

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