„Rote Karten“ für wissenschaftliche Studien: immer öfter, aber weiterhin selten

Menschen machen Fehler. Autoren wissenschaftlicher Studien sind Menschen, ergo machen auch sie Fehler, etwa beim Verfassen einer Arbeit, die dann in irgendeinem „Journal“ erscheint. Manchmal fällt das auf. Und dann wird die Publikation vielleicht „zurückgezogen“. Was übrigens extrem selten vorkommt, aber immer öfter. Rund 27 000 wissenschaftliche Arbeiten werden angeblich jede Woche publiziert, bei etwa 200 gibt es eine Korrektur oder einen Hinweis, dass da irgendwas nicht so ist wie erwünscht. Nur fünf oder sechs Publikationen bekommen die „Rote Karte“. Das sind etwa 0,02 Prozent aller veröffentlichten Arbeiten. Das sei zwar nicht sehr viel, aber deutlich mehr als jene 0,001 Prozent an Publikationen, die noch vor etwa einem Jahrzehnt zurückgezogen worden seien, erklärt Richard Van Norden, stellvertretender Nachrichten-Chef beim  Wissenschaftsmagazin „Nature“.

Zu Beginn des Jahrtausends seien, so Van Norden, hätten noch etwa 30 Arbeiten pro Jahr die „Rote Karte“ erhalten; dieses Jahr könnten es mehr als 400 sein – obwohl die Zahl der Publikationen im selben Zeitraum nur um 44 Prozent gestiegen sei. Die Zahl der zurückgezogenen Studien ist also vermutlich nur die berühmte Spitze des Eisberges. In Umfragen hätten immerhin ein  bis zwei Prozent der Studien-Autoren angegeben, Daten erfunden, gefälscht oder irgendwie manipuliert zu haben, berichtet Van Norden.

Warum eine Studie die „Rote Karte“ bekommen hat, wird nicht immer transparent gemacht. Die Folge davon ist, dass häufig – zu Unrecht – „wissenschaftliches Fehlverhalten“ als Grund vermutet wird, also die Manipulation oder das Erfinden von Daten. Mit ein Grund für die mangelnde Transparenz der Gründe ist natürlich, dass die Herausgeber oder Schriftleiter der Zeitschrift nicht unbedingt scharf darauf sind, zuzugeben, dass ihnen ein Fehler unterlaufen ist. Das ist menschlich, aber nicht klug. Denn im Zeitalter des Internets und mittels „Plagiat-Software“ ist das Risiko, „erwischt“ zu werden, vielleicht noch immer nicht groß, aber allemal größer als im „vor-digitalen“ Zeitalter. Siehe Guttenberg und Co. Selbstverständlich sind auch die Autoren einer „fragwürdigen“ Studie nicht immer sehr interessiert an allzu viel „Transparenz“ und „publicity“. Sie sollten es aber sein. Dies gilt vor allem für jene, die einfach nur einen „Flüchtigkeits-Fehler gemacht haben oder auch einen Denkfehler. „Irren ist menschlich, sagte der Hahn und stieg von der Ente“, heißt es – ebenso amüsant wie weise – im Volksmund. Denn es ist eben so, dass, wird eine Studie zurückgezogen, sofort der Verdacht aufkommt, es seien Daten erfunden oder gefälscht worden.

PS.: Normalerweise werden Studien zurückgezogen, wenn sie erschienen sind. Normalerweise, aber nicht immer. Es soll aber auch schon vorgekommen sein, dass eine Zeitschrift auf die Veröffentlichung einer „kritischen“ Arbeit verzichtet hat, weil ein „Mächtiger“ mit „Liebesentzug“ gedroht hat. Ist vielleicht sogar häufiger als die „Rote Karte“ für bereits publizierte Arbeiten. Dumm ist es halt, wenn‘s herauskommt. Aber Menschen machen eben Fehler.

 

 

 

 

 

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