Verengte Halsschlagader: Gleiche Restenose-Raten nach Op und Stent

Zwei-Jahres-Daten der CREST-Studie zeigen gleiche Restenose-Raten nach Karotis-Stent-Implantation und Karotis-Endarterektomie. Die Ergebnisse, die jetzt bei einer internationalen Schlaganfall-Konferenz in New Orleans vorgestellt wurden, waren mit exakt sechs Prozent (Stent) und 6,3 Prozent (Endarterektomie) statistisch nicht unterschiedlich. Insgesamt beträgt die Dauer der Verlaufsbeobachtung zehn Jahre.

Zur Erinnerung:

Fast zeitgleich wurden Anfang 2010 e zwei Studien zum Vergleich von Stent und Endarteriektomie bei Karotisstenose veröffentlicht: CREST und ICSS. Die US-amerikanische Multizenterstudie CREST ergab die Gleichwertigkeit beider Verfahren,  die andere Studie  (ICSS) dagegen eine Überlegenheit der herkömmlichen Operation.  Vor allem für jüngere Menschen sei der Stent eine gute Option, so damals die CREST-Autoren.

An „CREST” hatten 2502 Patienten mit symptomatischer und asymptomatischer Karotisstenose teilgenommen. Mehr als 80 Prozent von ihnen hatten eine mindestens 70-prozentige Stenose. Primärer Endpunkt war die Kombination aus Schlaganfall-, Herzinfarkt- und Sterberate innerhalb von 30 Tagen nach dem Eingriff plus der Rate an ipsilateralen Schlaganfällen in den folgenden vier Jahren. Nach einer mittleren Beobachtungszeit von 2,5 Jahren gab es beim primären Endpunkt mit 7,2 Prozent (Stent) und 6,8 Prozent (Endarteriektomie) keinen signifikanten Unterschied. Die Ereignisraten innerhalb von 30 Tagen betrugen 5,2 (Stent) und 4,5 Prozent (Endarteriektomie). Schlaganfälle waren mit 4,1 versus 2,3 Prozent in der Stent-Gruppe etwas häufiger, in der OP-Gruppe waren dafür Herzinfarkte mit 2,3 im Vergleich zu 1,1 Prozent. Überraschend war für die Studienautoren um Professor Thomas G. Brott (Mayo Clinic Campus in Jacksonville) vor allem ein weiterer Befund: Hinsichtlich der Häufigkeit kardiovaskulärer Ereignisse profitierten über 70jährige Patienten mehr von der Endarteriektomie, jüngere Patienten mehr von der Stent-Implantation. „Die meisten von uns dachten, dass es genau umgekehrt sei“, sagte damals Brott. Die Ergebnisse waren bei Patienten mit symptomatischer und asymptomatischer Karotisstenose gleich. Auch das Geschlecht hatte keinen Einfluss auf das Ergebnis.

Das wichtigste Ergebnis der vom „National Institute of Neurological Disorders and Stroke” und von Abbott finanzierten Studie war laut CREST-Autor Dr. Gary S. Roubin (Lenox Hill Hospital in New York), dass die Gesamtsterberate mit 0,6 Prozent sehr niedrig war, die Stent-Implantation durch erfahrene Ärzte also eine sehr sicher Therapie sei.

An der im „Lancet“ publizierten Multizenterstudie „ICSS“ hatten 1713 Patienten mit symptomatischer Karotisstenose und einem Durchschnittsalter von 70 Jahren aus Kliniken in Europa, Australien, Neuseeland und Kanada teilgenommen. Innerhalb von 120 Tagen vom Zeitpunkt der Randomisierung bekamen in der Stent-Gruppe 8,5  Prozent einen Schlaganfall oder Herzinfarkt oder starben. In der Op-Gruppe betrug diese Rate dagegen nur 5,2 Prozent.  Ebenso deutlich war mit 7,4 versus vier Prozent der Unterschied bei den 30-Tages-Werten. Dass die Stent-Implantation in „CREST“ so gut abgeschnitten habe, liege möglicherweise an der großen Erfahrung und Übung der beteiligten Ärzte, meinte CREST-Autor Dr. Wayne Clark. Außerdem sei nur ein Stent-Modell (Abbott’s „Acculink Carotid Stent System“) verwendet worden. In der europäischen Studie verwendeten die Ärzte dagegen unterschiedliche Stent-Systeme. Außerdem wurden nur Patienten mit symptomatischer Karotisstenose behandelt. Diese Patienten seien kränker und profitierten eher von der Operation, so damals Professor Ralph Sacco (Universität von Miami). Diese Unterschiede der behandelten Patienten seien vielleicht eine Erklärung für die unterschiedlichen Ergebnisse von „CREST“ und „ICSS“, sagte  2010 Dr. Martin M. Brown, Leiter der europäischen Studie. Aber bislang sei noch durch keine Studie belegt worden, dass der Stent der konventionellen Op überlegen sei. Brown: „Warum also sollte man einen Stent implantieren?” Außerdem: Selbst wenn beide Verfahren gleich wirksam seien, gebe es drei weitere Studien, die gezeigt hätten, dass die Op sicherer sei.

In einer weiteren Studie mit dem Akronym CREST 2 soll nun untersucht werden, welchen Stellenwert eine invasive Revakularisierung überhaupt haben sollte, da es eben auch mit einer optimalen konservativen Therapie gute Ergebnisse gibt.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s