Antipsychotika-Studien: Erneut Kritik am selektiven Publizieren

Die größte Bedrohung in der Medizin seien nicht  multiresistente Keime. steigende Kosten oder die demografische Entwicklung, hat vor kurzem der Kardiologe Harlan Krumholz im Wirtschaftsmagazin „Forbes“  geschrieben. Die größte Bedrohung seien vielmehr „fehlende Daten“, meinte der Professor der Yale-Universität, der derzeit zwei große Studien des „National Heart, Lung and Blood Institute“ leitet und zudem für die zum US-Gesundheitsministerium gehörenden „Centers for Medicare & Medicaid Services“ arbeitet.

Eine aktuelle Arbeit bestätigt zumindest die Existenz des schon mehrfach beschriebenen Problems, dass nicht alle relevanten Studien-Daten veröffentlicht werden, wobei es sich meist um negative Daten handelt. In der jetzt in „PlosMedicine“  publizierten Arbeit geht es um Studien zu modernen Antipsychotika (Aripiprazol, Iloperidon, Olanzapin, Paliperidon, Quetiapin, Risperidon, langwirksames Risperidon und Ziprasidon). Mehrere Studien mit negativen Resultaten seien nicht veröffentlicht worden, so dass die publizierten Daten ein übertrieben positives Bild der Präparate ergeben hätten, schreiben Dr. Erick H. Turner („Oregon Health and Science University“ in Portland) und seine Kollegen.

Von 24 registrierten Studien zu acht Präparaten, für die bei der FDA Zulassungsanträge eingereicht worden seien, hätten die Autoren vier Studien nicht in einer Fachzeitschrift publiziert. In drei der vier Studien habe das Prüf-Präparat nicht besser als ein Placebo oder schlechter als ein anderer Wirkstoff abgeschnitten. Und fünf der 20 publizierten Studien hätten Fehler in der Darstellung der Ergebnisse, so genannte „outcome reporting bias“ enthalten. 15 der 20 veröffentlichen Arbeiten wurden von der FDA als positiv für das Prü-Präparat eingestuft, die übrigen als negativ oder nicht eindeutig.

Der Fehler oder die „Verzerrung“ der Daten zu Gunsten der Prüf-Präparate sei allerdings, so Turner, gering gewesen. Seien die nicht publizierten Daten bei der Bewertung der Präparate berücksichtigt worden, hätte sich das Ergebnis für das Prüf-Präparat nur marginal verschlechtert. Gleichwohl sei es Besorgnis erregend, dass negative Daten „verschwiegen“ würden. Es fehle an Transparenz, der Wert der bekannten Daten werde geschmälert, fundierte rationale Therapieentscheidungen würden unmöglich gemacht.

 

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