Skoliose-Therapie im Wachstumsalter: Magnet-gesteuerte Teleskopstäbe implantiert

Ein Wirbelsäulen-Stabssystem, dessen Länge von außen magnetisch gesteuert wird, kann Kinder mit Skoliose vielleicht weitere belastende Distraktions-Operationen ersparen. Die Zwei-Jahres-Resultate bei zwei Patienten seien viel versprechend, so die  Orthopäden der Universität Hong Kong, die über ihre ersten Erfahrungen mit dem Teleskop-System heute online vorab im „Lancet“ berichten. Insgesamt seien bislang fünf Patienten operiert worden, so Professor Kenneth Cheung und seine Kollegen. Bei dem nicht von der FDA zugelassenen Titan-Implantat handelt es sich um ein Stabsystem des kalifornischen Unternehmens „Ellipse Technologies“,  das auch Magnet-gesteuerte Distraktionssysteme für periphere Extremitäten anbietet. Ermöglicht wird die Distraktion durch einen im Stab integrierten Mechanismus, der in der aktuellen Arbeit allerdings nicht näher erklärt wird. Auch eine vor knapp drei Jahren veröffentlichte erste technische Darstellung des Systems hilft nicht weiter (Skoliose-Kongress Istanbul 2009). Für die magnetische Steuerung der Stäbe wird ein so genannter „External Remote Controller“ verwendet, der etwa bohrmaschinen-groß ist und im Falle der spinalen Systeme auf dem Rücken des Patienten aufgesetzt wird.

Bei den beiden Kindern, deren Zweijahres-Ergebnisse jetzt vorliegen, handelt es sich um ein Mädchen mit einer sekundären Skoliose aufgrund eines Ehlers-Danlos-Syndroms. Das Kind war zum Zeitpunkt der Operation fünf Jahre und acht Monate alt. Bei dem anderen Patienten handelte es sich um ein 12 Jahre altes Mädchen mit idiopathischer Skoliose. Das eine Kind erhielt einen Stab, das andere Kind zwei Stäbe implantiert.

Hier die gemittelten Zweijahres-Ergebnisse zu den beiden Kindern:

  • Skoliose (Cobb): Reduktion von 67 Grad auf 29 Grad
  • Kyphose  (Cobb): Redukltion von 43 Grad auf 34 Grad
  • Länge der WS (T1 – T2): 199 mm auf 229 mm
  • Länge der WS (T1 – S1): 314 mm auf 360 mm.

Intraoperativ hat es nach Angaben der Autoren keine Komplikationen gegeben, eine postoperative oberflächliche Wundinfektion sei erfolgreich behandelt worden. Neurologische Komplikationen und Stabbrüche seien bislang nicht aufgetreten. Die Patienten seien mit dem Ergebnis zufrieden.

Das jetzt vorgestellte System ist nicht das erste fusionsfreie Teleskopstab-System für Kinder mit unterschiedlichen Skoliose-Formen, das ein physiologisches Wachstum der Wirbelsäule ermöglicht und so pulmonalen Komplikationen vorbeugen soll. Bereits Anfang der 90-Jahre entwickelte ein Team um den Ulmer Wirbelsäulen-Chirurgen Dr. Patrick Kluger ein solches Teleskop-System, („Unfusionierte Wirbelsäulenaufrichtung im Wachstumsalter bei neuromuskulären Skoliosen vom Typ Duchenne.“ Jahrbuch der Orthopädie. 1993; Seiten 133-14). Daten zu dem System, das vor allem am Augsburger Klinikum verwendet wurde, sind 1996 auch in „Spinne“ erschienen.

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