HDL und Herzinfarkt: wohl kein Kausalzusammenhang


Schlechte Nachrichten für die Hersteller von HDL-erhöhenden CETP-Hemmer: Hohe HDL-Werte schützen vermutlich nicht vor einem Herzinfarkt: US-Forscher der Harvard-Universität in Boston haben keinen Kausalzusammenhang zwischen genetisch bedingt erhöhten HDL-Werten und einer niedrigen Infarkt-Rate gefunden. Die Forschungsergebnisse sind vor kurzem online im „Lancet“ erschienen. „Wir können daher nicht einfach davon ausgehen, dass eine medikamentöse oder auch nicht-medikamentöse Erhöhung der HDL-Werte zu einer Reduktion der Herzinfarkt-Häufigkeit führt“, so Studienleiter Dr. Sekar Kathiresan.

Die US-Forscher haben unter anderem Daten von 20 913 Infarkt-Patienten und von über 95 000 Personen ohne Infarkt analysiert. Dabei stellten sie fest, dass Personen mit genetisch bedingter Tendenz zu höheren HDL-Werten keine verringerte Infarkt-Neigung hatten. Darüber hinaus prüften sie, ob es zwischen einer positiven Herzinfarkt-Anamnese und einem speziellen genetischen Risiko-Score einen Zusammenhang gibt. Bei dem Score wurden 14 häufige genetische Varianten berücksichtigt, die alle mit dem HDL-Spiegel assoziiert sind. Das Ergebnis der Prüfung war negativ. Die aktuelle Studie bestätige ähnliche Arbeiten, nach denen es keinen Kausalzusammenhang zwischen niedrigen HDL-Werten und der KHK gebe, so Professor Steve Humphries („University College“ in London) und seine Kollegen  in einem Kommentar im „Lancet“. Finanziert wurde die Studie von den „US National Institutes of Health“, dem „Wellcome Trust“ der EU, der britischen Herzstiftung und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Zur Erinnerung: Erst vor wenigen Tagen hat Roche, Hersteller des „HDL-Erhöhers“ und CEPT-Hemmers Dalcetrapib , gemeldet, das Studien-Programm zur Entwicklung des Präparates bei KHK-Patienten zu beenden. Anlass seien die schlechten Interims-Ergebnisse einer Phase-3-Studie zur Effektivität und Sicherheit des zusätzlich zur Standard-Therapie verabreichten CEPT-Hemmers. Die Entscheidung des Schweizer Konzerns könnte auch die Entwicklung von anderen Wirkstoffen dieser Gruppe beeinträchtigen, meinten laut Medien-Berichten Pharma-Analysten. Einen CEPT-Hemmer hat zum Beispiel MSD mit Anacetrapib in der Phase 3 der klinischen Entwicklung. Eli Lilly plant eine Phase-3-Studie zu dem Wirkstoff Evacetrapib. Ob auch die aktuelle „Lancet“-Studie die Entwicklung von Anacetrapib und Evacetrapib beeinträchtigen wird, ist natürlich noch offen.

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