HDL-Erhöhung: vergessen oder weiter hoffen?

Nachdem es in der letzten Zeit einige Rückschläge gegeben hat, mehren sich Zweifel an der These, eine HDL-Erhöhung könne dazu beitragen, das kardiovaskuläre Risiko zu senken. Dieses Therapie-Konzept sollte aber nicht voreilig zu Grabe getragen werden, raten oder warnen die Anhänger. Ihre Argumente: Man wisse noch zu wenig über das HDL; unklar sei zum Beispiel, ob HDL ein kausaler Faktor oder nur ein Marker sei, und ob nicht außer der HDL-Erhöhung auch zugleich das LDL gesenkt werden müsse.

„Wir sollten das Kind nicht mit dem Bade ausschütten“, sagte daher Professor Alan Tall („Columbia University“ in New York) beim Kongress der Europäischen Atherosklerose-Gesellschaft in Mailand. „Ich bin nicht davon überzeugt, dass die aktuellen negativen Daten das „HDL-Konzep“ widerlegen“, meinte Professor Philip Barter („Heart Research Institute“ in Sydney). „Wir sollten nicht aufgeben, denn noch wissen wir zu wenig“, wird Barter vom US-Kardiologen-Portal „Heartwire“ zitiert. Es sei zu früh, dieses Konzept ad acta zu legen, denn es gebe keine Zweifel daran, dass ein niedriger HDL-Wert mit einem deutlich erhöhten kardiovaskulären Risiko einhergehe, so auch der Präsident der Gesellschaft Professor John Chapman (Hôpital de la Pitié-Salpêtrière“ in Paris). Nur seien die Mechanismen dieses Zusammenhangs noch nicht richtig verstanden, meinte Chapman. Offensichtlich sei bislang nur, dass ein niedriges HDL ein kardiovaskuläres Risiko darstelle, es aber wohl nicht einfach genüge, die HDL-Konzentration zu messen und  zu erhöhen, meinte auch Tall.

HDL habe so viele Eigenschaften, es hemme die LDL-Oxidation, wirke antidiabetisch, antientzündlich sowie antithrombotisch und gegen eine Endothel-Dysfunktion, so Barter. Das Dumme sei jedoch, dass „wir nicht wissen, welche dieser Eigenschaften klinisch wirklich wichtig ist und welche gemessen werden sollte“. Alle diese Eigenschaften in einer großen klinischen Studie zu kontrollieren, sei einfach zu teuer. Barter: „Wir brauchen daher mehr Grundlagenforschung zum HDL.“ Denn HDL sei auch nicht einfach HDL; es gebe eine Vielzahl von unterschiedlichen „Subpopulationen“ bzw. Untergruppen. Und mit Blick auf Genom-Studien zum HDL-Konzept betonte Barter zudem, dass selbstverständlich die enormen Umwelteinflüsse auf die HDL-Konzentration berücksichtigt werden sollten. Dies sei in Genom-Assoziationsstudien aber nicht möglich.

Obgleich viele Fragen noch unbeantwortet sind: Barter zeigte sich überzeugt davon, dass eine HDL-Erhöhung Patienten vor kardiovaskulären Komplikationen schützt. Es müsse halt nur noch bewiesen werden. Womit er unstreitig recht hat.

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