Sartan und Sprue: neue Nahrung für einen alten Verdacht

Bei Patienten, die Olmesartan einnehmen, hat ein Gastroenterologe der Mayo Clinic gastointestinale Befunde erhoben, die einer Zöliakie ähneln. Dass es sich hier um einen Effekt des Sartans handeln könnte, ist nicht ausgeschlossen. Allerdings handelt es sich bislang allein um eine Beobachtung, so dass selbstverständlich nur der Verdacht geäußert werden kann.

Der US-Kollege Dr. Joseph Murray beschreibt seine Befunde ausführlich in den „Mayo Clinic Proceedings“Der Verdacht, es könnte einen Zusammenhang zwischen dem Sartan und der Zöliakie geben, kam Murray erstmals, als sich zwei Patienten mit angeblich therapierefraktärer Zöliakie symptomatisch deutlich besserten, nachdem sie ihre Olmesartan-Therapie unterbrochen hatten. Nach dem stationären Aufenthalt kehrten die gastrointestinalen Symptome allerdings wieder. Im Verlauf von drei Jahren „entdeckte“ Murray dann 22 Patienten (13 Frauen) mit unklarer Diarrhö, die Olmesartan einnahmen. Das Durchschnittsalter betrug knapp 70 Jahre. 14 Patienten mussten stationär behandelt werden. Bei keinem gingen die Symptome unter einer Gluten-freien Diät zurück, kein Patient hatte Transglutaminase-Antikörper im Blut. Nach Absetzen von Olmesartan gingen bei allen Patienten die gastrointestinalen Symptome zurück, das Körpergewicht stieg. Bei den 18 Patienten, bei denen Biopsien gemacht wurden, zeigten auch die histologischen Befunde eine Besserung. Murray und seine Kollegen dachten zunächst, dass die Patienten eine Zöliakie hätten, wofür auch  die Biopsie-Befunde sprachen. Das Fehlen der Antikörper habe jedoch nicht ins Bild gepasst.

Aufgrund seiner Beobachtungen empfiehlt Murray Patienten, die Olmesartan einnehmen, bei gastrointestinalen Beschwerden und/oder unklarem Gewichtsverlust einen Arzt aufzusuchen. Und Ärzte sollten das Sartan als eine mögliche Ursache in Erwägung ziehen – obgleich es sich bislang nur um eine Assoziation handelt, nicht um einen Beweise für einen Kausalbeziehung.

Die Beobachtung von Murray sei auf jeden Fall ernst zu nehmen, meint der Hypertensiologe Professor Franz Messerli in einem Kommentar auf „cardiobrief“. Selbstverständlich müssten, so Messerli, noch viele Fragen geklärt werden, etwa:

  • ob die gastrointestinalen Symptome nach erneuter Olmesartan-Gabe wiederkommen
  • welche Informationen hierzu die umfangreichen Daten zu Olmesartan hergeben
  • ob es bei anderen Sartanen ähnliche Beobachtungen gibt und
  • was der Pathomechanismus sein könnte.

Murray spekuliert über einen hemmenden Effekt von Olmesartan auf den „Transforming Growth Factor ß“, wobei allerdings zu bedenken sei, dass diese Wirkung nach bisherigem Kenntnisstand wohl nicht substanz-spezifisch sei. Eine Klärung der Frage „Substanz- oder Klassen-Effekt“ sei auf jeden Fall notwendig.

Laut Murray geht die FDA dem Verdacht bereits nach, hat allerdings den Hersteller Daiichi Sankyo nicht um weitere Daten zu Olmesartan gebeten. Das Unternehmen selbst schaut sich derzeit die Befunde von Murray an, betont jedoch, dass bereits 2009, auf Anforderung der FDA, die Daten zu einem möglichen Zusammenhang zwischen Olmesartan und Sprue analysiert worden seien. Ergebnis der Analyse sei gewesen, dass ein Kausalzusammenhang sehr unwahrscheinlich sei. Und die FDA habe aufgrund einer eigenen Datenauswertung geschlussfolgert, dass eine Zöliakie unter allen Sartanen gleich häufig diagnostiziert, also kein Hinweis  auf einen substanz-spezifischen Effekt gefunden worden sei.

Weitere Informationen

Video-Präsentation von Murray

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