Schlafstörungen vielleicht ein Alzheimer-Frühzeichen

Schlafstörungen sind womöglich ein frühes, dem kognitiven Abbau vorhergehendes Zeichen für eine Alzheimer-Erkrankung  – oder  fördern sogar die Entwicklung der Erkrankung. Dies folgern kanadische Kollegen um Dr. Roxanne Sterniczuk (Halifax) aus Daten von über 14 000 mindestens 50 Jahre alten und kognitiv gesunden Teilnehmern der europäischen Beobachtungs-Studie SHARE („Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe“). Die Ergebnisse sind diese Woche beim Jahrestreffen der US-Gesellschaft für Neurowissenschaften in New Orleans vorgestellt worden. Die aktuellen Daten belegen frühere Forschungsbefunde zu einem Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und der zerebralen Erkrankung. In Tiermodell etwa wurde festgestellt, dass Schlafentzug mit einer verstärkten Akkumulation von Beta-Amyloid einhergeht. Aktuelle Tierexperimente haben zudem gezeigt, dass mit der Bildung von Plaques der Schlaf-Wach-Rhythmus aus dem Takt gerät , dieser sich aber wieder normalisiert, wenn die Plaques  eliminiert werden („Science Translational Medicine“). Alzheimer-Patienten wiederum klagen relativ oft über Schlafstörungen und Tagesmüdigkeit.

In ihrer Untersuchung stellten die kanadischen Kollegen nun fest, dass bei den kognitiv Gesunden der Studie, die über einen unruhigen Nachtschlaf und Tagesmüdigkeit klagten und auch Schlaftabletten einnahmen, innerhalb von zwei Jahren überdurchschnittlich häufig die Diagnose Alzheimer gestellt wird. Zudem waren die Symptome der zerebralen Erkrankung umso ausgeprägter, je stärker die Schlafstörungen vorher waren. Das stärkste Vorzeichen für eine kommende Alzheimer-Diagnose sei Tagesschläfrigkeit gewesen, sagte Sterniczuk. Es sehe so aus, als gingen subtile Änderungen beim physiologischen Schlaf-Wach-Rhythmus  den histopathologischen Veränderungen voraus, die für den Morbus Alzheimer charakteristisch seien.

Sterniczuk und ihre Mitarbeiter untersuchen jetzt, ob ein gestörtes Schlafmuster mit Veränderungen von Gen-Aktivitäten im Nucleus suprachiasmaticus zusammenhänge. Diese Hirnregion kontrolliert und steuert zirkadiane Rhythmen und auch den Schlaf-Wach-Rhythmus.

Weitere Informationen

Schlafstörungen bei Alzheimer und Parkinson („Neuromolecular Medicine“)

 

Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Schlafstörungen vielleicht ein Alzheimer-Frühzeichen

  1. Joachim

    Schlafentzug ist die Quelle allen Übels. Ich habe schon von Folgen wie Fettleibigkeit oder Depressionen gehört, aber Alzheimer ist mir neu. Irgendwie erschreckend, wenn man bedenkt, dass ein Großteil der heutigen Gesellschaft unter chronischem Schlafmangel leiden tut. Viele Menschen halten leider nun mal Schlaf für überbewertet und wissen die wichtige Bedeutung dieses Prozesses nicht wirklich zu schätzen. In einer Studie führte körperliche Belastung im Zusammenhang mit Schlafentzug bei einem Soldat sogar zu einem Schienbeinbruch.

    Soldaten am körperlichen Limit – Welt der Wunder

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