Warfarin bei Vorhofflimmern: Compliance schlechter als angenommen?

Die Compliance bei Warfarin ist womöglich schlechter als aufgrund klinischer Studien angenommen. Dies berichten kanadische Kollegen um Dr. Tara Gomes in den „Archives of Internal Medicine“Ausgewertet wurden Daten von über 125 000 Patienten, die wegen Vorhofflimmerns Warfarin erhielten und bei Beginn der gerinnungshemmenden Therapie mindestens 66 Jahre alt waren. 69 Prozent hatten einen CHADS2 Score von 2 oder darüber. Die Auswertung ergab:

  • 8,9 Prozent haben nach dem ersten Rezept kein weiteres mehr eingelöst
  • 31,8 Prozent haben die Medikation innerhalb eines Jahres abgesetzt. In klinischen Studien beträgt diese Rate nach Angaben der Autoren nur rund 20 Prozent.
  • 43,2 Prozent haben die Medikation innerhalb von zwei Jahren abgesetzt; innerhalb von fünf Jahren hat der Anteil sogar etwas über 60 Prozent betragen.

Im Mittel wurde die Medikation nach 2,9 Jahren beendet (Männer 2,6 Jahre, Frauen 3,2 Jahre; über 85-Jährige 3,1 Jahre und Patienten zwischen 66 und 75 bereits nach 2,7 Jahren). Die Compliance stieg laut Gomes mit dem Schlaganfall-Risiko. Die Zeit bis zum Abbruch der Medikation betrug bei

  • CHADS2  = 0: 2,3 Jahre
  • CHADS2  = 3: 2,9 Jahre
  • CHADS2  = 6: 3,3 Jahre.

Die aktuellen Daten bestätigten die Ergebnisse anderer Beobachtungsstudien, schreiben die Dr. Whitney Maxwell und Dr. Charles Bennett (beide von der Universität von Süd-Carolina) in einem KommentarAllerdings könne der Abbruch einer Warfarin-Therapie durchaus korrekt und vom behandelnden Arzt entschieden worden sein, etwa bei Sinus-Rhythmus. Die allgemeine Abbruch-Rate sei daher nicht aussagekräftig genug. Darüber hinaus könnten die vergleichsweise schlechten Ergebnisse auch mit der Infrastruktur der medizinischen Versorgung in Kanada zusammenhängen. Insofern können die Ergebnisse natürlich nicht 1 zu 1 auf Deutschland übertragen werden. Außerdem: Mangelnde Compliance sei nicht allein ein Problem des Klassikers Warfarin, so Maxwell und Bennett. In der Pradaxa-Studie RE-LY hätten mehr Dabigatran- als Warfarin-Patienten ihre Therapie abgesetzt bzw. unterbrochen. Einen ähnlichen Trend (aber ohne statistische Signifikanz) habe es in der Xarelto-Studie ROCKET AF gegeben.

 

 

 

 

 

 

 

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